Uber plätten! Ausbeutung & Kapitalismus den Kampf ansagen!

Mit Sicherheit sind sie den meisten Menschen in Berlin schon aufgefallen: Die knallig- roten E-Bikes mit dem Aufdruck „Jump“. Zu Hunderten stehen sie aktuell in der Stadt. Wenn sie doch genutzt werden, dann vor allem von Tourist*innen, sowie besserverdienenden Berliner*innen. Also von jenen, die sich den happigen Preis von ca. 10 Euro pro Stunde leisten können.
Die „Jump“-Fahrräder gehören der Firma „Uber“, die seit einigen Jahren hartnäckig versucht, sich auf dem deutschen Markt breit zu machen. Nach den bereits aus den USA bekannten Personenbeförderungsangeboten, versuchte der Konzern auch im „Individualverkehr“ Fuß zu fassen. Der finale „Durchbruch“ gelang Anfang 2019 als CSU- Verkehrsminister Andreas Scheuer das Personenbeförderungsgesetz novellierte. Dieses ermöglichte dem Konzern, sich noch breiter aufzustellen. Ab jetzt gab es kein Halten mehr und die Innenstädte wurden mit ihren „Angeboten“ in Form E-Rollern (in Kooperation mit „Lime“) und Elektrofahrrädern  („Jump“) geflutet.

Ubermäßig ausgebeutet!
Doch Uber war als Kind schon scheiße. Bereits das Kerngeschäft der Vermittlung von Personenbeförderungsangeboten ist ausbeuterischer Plattformkapitalismus in Reinform. Durch rechtliche Tricksereien fahren Fahrer*innen nicht direkt für das Unternehmen, sondern sind über Zwischenunternehmen oder als „Selbstständige“ angestellt. Dadurch ist es nahezu unmöglich, selbst rudimentäre Arbeitsrechte einzufordern oder gar einen Betriebsrat zu gründen. Von einer Uber-Fahrt nimmt das Unternehmen rund 25% + MwSt. Im Anschluss zieht das jeweilige Subunternehmen auch nochmal zwischen 40 und 60 % ab. Den Fahrer*innen bleiben so also pro Gast gerade mal ca. 25 % des gezahlten Preises als „Lohn“. Das Resultat: reihenweise umgehen Fahrer*innen die App, fahren also inoffiziell um überhaupt noch etwas von der Lohnarbeit zu bekommen. Diese Ubermäßige Form der Ausbeutung ist Markenkern des Unternehmens. Das zeigt auch der Umgang mit den Menschen, die die als sog. „Juicer“ (für den Uber-Partner Lime) E-Scooter aufladen müssen. Sie bekommen einen minimalen Lohn bei konstant hohem Arbeitsdruck, maximal-„flexibiliserten“ Arbeitszeiten und keinen Arbeitnehmer*innenrechten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieses Modell zum Umgang mit Arbeitnehmer*innen bei den „Jump“-Rädern großartig anders ist. 

Zeit zu handeln – Helft alle mit!
In Solidarität mit den Uberfahrer*innen sowie den Aufladearbeiter*innen wurden in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche „Jump – Fahrräder“ in Berlin gezielt sabotiert und unschädlich gemacht.  Da die Ausbeutungs-Räder überall in der Stadt verteilten stehen, lässt sich diese Form der niedrigschwelligen Sabotage gut in alltägliche Spaziergänge integrieren.

Mit diesem Aufruf möchten wir euch motivieren, sich der Aktionsform anzuschließen. Stecht den beschissenen Fahrrädern, wo immer ihr ihnen begegnet, die Reifen auf! Durch Reparatur- und Ausfallkosten sollten dem Konzern, seinen Subunternehmen und dessen Versicherungen bei einer flächendeckenden Zerstörung einiges an Kosten anfallen. Uber gibt an, in Berlin mit rund 1.000 E-Bikes vertreten zu sein. Wir haben einiges zu tun!

Lange genug haben wir zugesehen, wie sich durch die zuspitzende Ausbeutungslogik eines um sich greifenden Plattformkapitalismus Menschen gnadenlos ausgebeutet werden. Gearde im Bereich der Personenbeförderung betrifft das nicht nur die Fahrer*innen von Uber direkt. Über die auf individueller Maximalausbeutung beruhende Preistreiberei verschärft das Unternehmen indirekt auch die Arbeitsbedingungen im ohnehin schon unter Druck stehenden Taxigewerbe. So werden Uber- und Taxifahrer*innen gegeneinander ausgespielt und zueinander in direkte Konkurrenz gesetzt. Die Profiteur*innen sind große Unternehmen, wie in diesem Fall Uber. Auch deren Aktionär*innen und der „Wirtschaftsstandort Deutschland“ sehen kein Problem darin, wenn für Hungerlöhne zeitaufwendige und anstrengende Lohnarbeit ohne soziale Absicherung verrichtet werden muss. Die alte Losung „Wenn‘s der Wirtschaft gut geht, geht’s allen gut“, die von verschiedensten konservativen und sozialdemokratischen Parteien stets verkündet wird, offenbart sich also an Beispielen, wie dem der Uber-Fahrer*innen, erneut als naiver Trugschluss.

Als sozialrevolutionäre Anarchist*innen und Kommunist*innen sind dafür, die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung ohne Einschränkungen vor das Wohl von Unternehmen, Firmen und Aktienspekulation zu stellen. Wir stehen für einen politischen Kampf der anerkennt, dass wir als Lohnarbeiter*innen, Migrant*innen, Geflüchtete, Erwerbslose, Schüler*innen und Student*innen alle im selben Boot sitzen. Wir alle sind – auf jeweils spezifische Weise – von einer sich zunehmend verschärfenden kapitalistischen Ausbeutung bedroht. Der Kampf für bessere soziale Verhältnisse kann nur gemeinsam geführt werden. Dafür müssen wir uns kennenlernen und gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung organisieren – oder unsere Zusammengehörigkeit manchmal auch in sich aufeinander beziehenden Einzelaktionen ausdrücken.

Was wir vom Staat zu erwarten haben? Nix!
Bereits im April demonstrierten bundesweit tausende Taxifahrer*innen gegen die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes und gegen Uber im Speziellen. Auch wir haben die Bilder der Taxidemos und Blockaden in den Medien gesehen und beschlossen, die Fahrer*innen in ihrem Kampf zu unterstützen. Die großen Taxidemos waren ein wichtiges und starkes Zeichen, das Politiker*innen jedoch bis zum heutigen Tag ignorieren. Schon seit jeher pflegten die Diener des Staates ein besseres Verhältnis zu Lobbyisten und Unternehmensvertreter*innen als zu Taxifahrer*innen und anderen prekär Beschäftigten. Dazu zählt auch die Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen, um so unsinnigen Quatsch, wie E-Scooter, in unseren Städten verteilen zu können. Das nützt vor allem den Unternehmen und kaum den Bewohnenden [1].   
Mit unserer Aktionsform, wollen wir einen Anfang machen, um dem Unternehmen Uber gemeinsam die Luft rauszulassen. Wir wollen wir einen kollektiven Kampf beginnen und ein Zeichen setzen gegen die beschissenen Arbeitsbedingungen der Uberfahrer*innen und sonstigen prekär Beschäftigten des Unternehmens sowie die Existenzbedrohung der Taxifahrer*innen! Jede*r von uns ist von Zeit zu Zeit in der Stadt unterwegs – ob mit Freund*innen oder alleine. Und ein Taschenmesser oder spitzer Schraubenzieher passen immer in die Hosentasche. Aber nicht erwischen lassen!

Machen wir eine klare Kampfansage! – Uber plätten!

Mit jedem zerstochenen Gummireifen senden wir darüber hinaus solidarische Grüße an die Anarchafeminist*innen der Liebig 34 und die „3 von der Parkbank“.

Tipps:

Tipp 1: Stecht mit dem Schraubenzieher oder Taschenmesser nicht direkt von vorne in den Reifen, sondern setzt immer an der Seite des Reifens an. An der Seite ist das Gummi weniger dick und so habt ihr schnell luftige Resultate.

Tipp 2: Optimalerweise tragt ihr Handschuhe und lasst weder eure DNA, noch Fingerabdrücke an den Fahrrädern zurück.

Tipp 3: Achtet auf Überwachungstechnik im öffentlichen Raum (z.B. Kameras), Aktivbürger*innen und sonstige Denunziant*innen.

Über die Webseite uberplaetten.blackblogs.org könnt ihr euren Aktivismus dokumentieren lassen. Schickt uns eure Aktionen und Sabotagen verschlüsselt an uberplaetten@riseup.net damit wir sie dort darstellen können. Darüber hinaus nutzen wir den Kampagnenhashtag #uberplatt auf Twitter. Auch hier auf Indymedia sind Aktionen gegen Uber gerne gesehen und werden auf die Webseite übertragen.

Nutzt dazu Anonymisierungsdienste wie den Browser Tor und PGP- Emailverschlüsselung.

[1] Sehr guter Text, warum E-Scooter eigentlich Klimaschweine sind und eine Handlungsanleitung, wie auch gegen diesen rollenden, überteuerten Schrott sinnvoll vorgegangen werden kann.

https://de.indymedia.org/node/36572

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